[03.01.2008] Nachdenkliches zu Neujahr
Niederaulaer Gewerbeverein sorgt sich mit Gastrednern um den Nachwuchs
Von Bernd LöwenbergerNiederaula. Unter das Motto "Jugend der Zukunft - Zukunft der Jugend" hatte der Gewerbeverein Niederaula seinen zweiten Neujahrsempfang am Sonntagvormittag in der Gaststätte "Zum alten Forsthaus" gestellt.
Fast 100 Gäste begrüßte Vorsitzende Heike Kreplin: Vertreter aus den Bereichen Politik, Handel und Gewerbe, Vereine, Schule und Soziales gaben sich ein Stelldichein. Mit der ersten Beigeordneten und Schuldezernentin Christa Bittner, dem Leiter der Gesamtschule Niederaula, Lutz Seibel, und dem Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung, Markus Pfromm, bat die Vorsitzende berufene Redner ans Mikrofon. Manche Missstände wurden aufgedeckt, manche Lösungsvorschläge angedacht, und manch sorgenvoller Blick in die Zukunft geworfen.
Kein gutes Haar
Bittner zitierte den Ausbildungsleiter eines großen Konzerns, der kein gutes Haar an den derzeitigen Jugendlichen lässt. Eine negative Einstellung zur Arbeit, Unpünktlichkeit, Nachlässigkeit und Unzuverlässigkeit seien die Regel. Bittner zitierte aber auch Studien, die dem Nachwuchs hohe Leistungsbereitschaft, Engagement, faires Verhalten und soziale Tugenden bescheinigen. Der Dialog zwischen Schule und Wirtschaft sei ein Baustein auf dem Weg in eine bessere Zukunft, sagte Bittner, und das funktioniere in Niederaula vorbildlich.
Als zwingende Voraussetzung bezeichnete Schulleiter Seibel die Erziehung als Grundlage jeder Bildung. Er beleuchtete die Rahmenbedingungen, und zeigte an Hand einiger Beispiele aus den Schulsystemen anderer Länder Schwachpunkte in deutschen Schulen auf. Auch wenn die schulischen Verhältnisse der in der PISA-Studie erfolgreichen Länder nicht eins zu eins übertragbar seien, müsse doch die Frage erlaubt sein, ob unser Schulsystem noch zeitgemäß sei, sagte Seibel.
Durchaus provokativ gab sich Markus Pfromm, der sich mit der demografischen Entwicklung und deren Bedeutung für die Jugendlichen befasste. In acht Thesen hatte er seinen Vortrag gegliedert, und zeigte dabei teilweise besorgniserregende Perspektiven auf. Angst sei aber ein schlechter Berater, formulierte Pfromm. "Ihre Gemeinde ist für die demografische Zukunft deutlich besser aufgestellt als viele andere", behauptete er angesichts der positiven Entwicklung der Marktgemeinde.
In einem weiteren Punkt waren sich alle einig: Nur wenn von Elternhaus, Kindergarten und Schulen bis zu Ausbildern und Arbeitgebern alle an einem Strang ziehen, kann Jugendlichen der Weg in eine erfolgreiche Zukunft geebnet werden.
Der Erste Beigeordnete der Marktgemeinde, Burghard Daube, nutzte die Plattform, um die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres zu skizzieren und einen Ausblick auf 2007 zu geben, und Christian Keileweit, der als Vertreter der Jugendlichen zu Wort kam, berichtete aus dem Leben der Kirmesburschen und rührte die Werbetrommel für den Verein.
Ehe in vielen kleinen Gruppen weiter diskutiert wurde, nahm Jugendleiterin Lydia Wagner noch eine Spende in Höhe von 1000 Euro von der Werbegemeinschaft für die Jugendarbeit entgegen.
Aus einem Bericht der Hersfelder Zeitung